Singende Säge - Katharina Micada: Geschichte - Spieltechnik - Marlene Dietrich - Katharina Micada | Singende Säge

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Singende Säge
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Wissenswertes über die Singende Säge

Instrument und Spieltechnik
Die Singende Säge als Musikinstrument ist eine breite große Säge aus gewalztem Federstahl, eine sogenannte Schrotsäge, oder auch Fuchsschwanz, die meist durch Streichen mit einem Streichbogen oder seltener durch Anschlag (Klöppel) zum Schwingen gebracht wird.
Sie gibt einen hellen sphärischen Ton von sich. Der Klang ähnelt einer Sopranstimme und die Säge ist auch das Instrument, das der menschlichen Singstimme am nächsten kommt.
Zur Erzeugung eines Klangs ist eine leichte S-Form des Sägeblatts unabdingbar, denn diese Form bestimmt den schwingenden Teil des Sägeblatts. Genau an dem Punkt, wo sich die beiden Kurven des S treffen befindet sich die Klangfläche und wird deshalb dort mit dem Bogen angestrichen. Durch das Biegen der kompletten S-Form ändert sich auch die Klangfläche. Je näher sie dem Sägegriff kommt, desto größer und dadurch tiefer wird sie, je weiter weg vom Griff, hin zur Spitze des Sägeblatts, desto kleiner die Klangfläche und dadurch höher der Klang. Vergleichbar mit den unterschiedlich großen Plättchen eines Xylophons oder Metallophons.
Der Tonumfang beträgt bei den meisten Musiksägen 2-2 ½ Oktaven, bei den französischen „Lame Sonore“ (traditionell ohne Zähne) z.T. 3 ½ Oktaven. Der tiefste Ton auf einer (großen) Musiksäge ist ca c’. der höchste Ton auf der (französischen) Säge ca f’’’’. Ob große/tiefe Sägen oder kleinere/höhere Sägen gespielt werden hängt von der persönlichen Präferenz des Instrumentalisten ab.
Auch manche herkömmlichen Handwerkssägen kann man zum Musizieren verwenden, deren Tonumfang beschränkt sich aber auf ca 1-1 ½ Oktaven und umfasst aufgrund des kleinen Blatts lediglich einen sehr hohen Tonbereich.
Da das Biegen des Sägeblattes sehr viel Kraftaufwand für die Hand bzw. den Daumen bedeutet, bevorzugen viele – vor allem professionelle – Sägenspieler einen Hebel am oberen Ende des Sägeblatts. Der Hebel wird festgeklemmt, -geschraubt oder -gesteckt.
Das Vibrato wird traditionell mit einem zitternden Bein erzeugt. Manche moderne Spieler bevorzugen das Vibrato mit Hilfe des Hebels.
Als weitere Klangmöglichkeit können auch Flageolett-Töne gespielt werden. Diese entstehen durch eine etwas stärkere Biegung und das Anstreichen anderer Punkte auf dem Sägeblatt. Diese Töne können auch gleichzeitig mit Grundtönen gespielt werden, so dass Mehrstimmigkeit entsteht.

Geschichte
Der genaue Ursprung der Singenden Säge ist nicht historisch dokumentiert. Naheliegend ist, dass erstmals Holzfäller auf die Idee kamen, einer Säge Töne zu entlocken. Der erste akustisch dokumentierte künstlerische Einsatz war offensichtlich 1908 bei einer Schallplattenaufnahme. Schnell fand das Instrument Eingang in Varieté-Shows, erstmalig in einer Vaudeville-Show mit den Weaver Brothers 1919. In den 20er-Jahren setzte ein regelrechter Boom ein, über 20.000 Musiksägen, also eigens zum Musizieren hergestellte Sägen, wurden weltweit verkauft. In den meisten Salonorchestern gab es jemanden, der dieses Instrument spielte und als Klangfarbe oder exotisches Solo einsetzte.
Marlene Dietrich lernte 1927 das Spielen auf diesem Instrument und nahm ihre Musiksäge mit nach Hollywood. Nicht nur dort machte sie damit Furore - sie genoß den Ruf der „First Lady" der Singenden Säge - , sondern auch bei den sog. USO-Shows im 2. Weltkrieg zur Unterstützung der amerikanischen Truppen.
Bereits seit den 1920er-Jahren wurde die Singende Säge auch im Bereich der zeitgenössischen klassischen Musik verwendet, z.B. in der Schostakowitsch-Oper „Die Nase“ oder in Kachaturians Klavierkonzert 1936. Zu dieser Zeit war ihre internationale Bezeichnung “Flexaton“, was bis heute manchmal Verwirrung auslöst, da ein – ebenfalls im Sinfonieorchester verwendetes -Instrument gleichen Namens existiert. Welches Instrument nun gemeint ist ergibt sich aus der notierten Partie und aus dem musikalischen/historischen Zusammenhang. In den 1960er-Jahren schrieb Hans-Werner-Henze in seiner Oper „Elegy for young lovers“ einige virtuose Sägenpassagen. Weitere Opern, in denen die Singende Säge vorkommt sind: „Oedipe“ (George Enescu), „Pnima“ (Chaya Czernowin), „Ubu rex“ (Krystof Penderecki), „Schuhu“ (Udo Zimmermann) sowie das Musical „Black Rider“ von Tom Waits. Des Weiteren gibt es Partien für Singende Säge in Konzertmusik wie „Stille und Umkehr“ von Bernd Alois Zimmermann, „Quattro pezzi per orchestra“ (1959) von Giacinto Scelsi, den Liederzyklus "Ancient voices of children" von George Crumb, „5 Préludes“ von Claude Debussy in einer Orchestrierung von Hans Zender u.a.. Weitere Komponisten, die die Singende Säge verwendeten sind z.B. John Corigliano und Leif Segerstam.
Parallel zur zeitgenössischen klassischen Musik fand die Singende Säge Eingang in die Volksmusik vieler Länder wie z.B. Russlands, Finnlands und der USA. Heute wird sie in vielen musikalischen Bereichen eingesetzt: Folk, Pop, Rock, Jazz, Chanson, Kabarett, experimentelle Musik, improvisierte Musik, Theater- und Filmmusik, ...

Die Singende Säge im Film
Den wohl bekanntesten Filmauftritt hatte die Singende Säge in einer Folge von „Pippi Langstrumpf“, in der Konrad, der Landstreicher in einer etwas unheimlichen Szene die Säge streicht. Ebenfalls sehr bekannt ist die Schlussszene aus „Delicatessen“ (1991) mit einem Duett für Singende Säge und Violoncello, das auf einem Hausdach aufgeführt wird.
Filmmusik mit Singender Säge: „Einer flog über’s Kuckucksnest“ (1975), „Fluch der Karibik – Am Ende der Welt“ (2007), "Another earth" (2011)

Festivals, Guiness-Rekord und Weltmeisterschaft
Jährlich stattfindende Festivals für Singende Säge sind das „Annual International Musical Saw Festival“ (jew. Mitte August in Santa Cruz/Kalifornien), veranstaltet von der IMSA (International Musical Saw Association) und das New York City Musical Saw Festival (jew.Mitte Juli in New York City).
2008 wurde in Gostyn (Polen) erstmals ein Guiness-Weltrekord für das weltgrößte Sägenensemble (26 SpielerInnen) aufgestellt. Getoppt wurde dieser vom erneuten Guiness-Weltrekord beim New York City Musical Saw Festival 2009, bei dem 53 SpielerInnen gleichzeitig „Ave Maria“ von Schubert „sägten“.
2011 fand in Jelenia Góra (Polen) eine Weltmeisterschaft für Singende Säge statt.
aus dem Lehrbuch von Wifried Glas (1992)
Fields and Conklin 1927
Marlene Dietrich 1931 bei Dreharbeiten zum Film "Dishonored"
mit ihrem Filmpartner Victor McLaglen
Szene aus dem Film "Delicatessen" 1991
New York City Musical Saw Festival 2011
photo by Harris Grabber
 
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